Gesamt-Wasserverbrauch für Deutschland

Für die Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung, Autos etc. wird 40-mal so viel Wasser verbraucht wie im Haushalt.

Gesamter direkter und indirekter Wasserverbrauch: Süßwasser-SeeDirekter und indirekter Wasserverbrauch

Weniger als 130 Liter Trinkwasser verbraucht der/die Durchschnitts-Deutsche pro Tag im Haushalt. Das meiste hiervon fließt durch Toiletten, Waschmaschinen Badewannen und Duschkabinen. Dieser so genannte direkte Wasserverbrauch beträgt also etwas mehr als eine halbe Badewanne. Damit sind die Deutschen Weltspitze im Wassersparen.

Der WWF hat nun berechnet, wie viel Wasser zusätzlich für Industriegüter wie Lebensmittel, Kleidung, Elektrogeräte und Autos verbraucht wird. Dies wird indirekter oder virtueller Wasserverbrauch genannt.

Das Ergebnis: Für die Herstellung der Waren, die wir täglich nutzen, werden durchschnittlich knapp 5.300 Liter Wasser pro Person eingesetzt - mehr als 40-mal so viel wie wir direkt im Haushalt verbrauchen. Das macht die Deutschen insgesamt pro Kopf weltweit zu den drittgrößten Wasserkonsumenten.

Insgesamt gibt der WWF einen jährlichen Wasser-Fußabdruck für Deutschland von fast 160 Mrd. m³ an - mehr als das 3-fache Volumen des Bodensees.

Deutschland ist Importnation von "virtuellem" Wasser

Etwa die Hälfte des deutschen Wasserbedarfs (79,5 Mrd. m³) wird bei der Herstellung von Import-Produkten im Ausland verbraucht, vor allem in Brasilien, der Elfenbeinküste und Frankreich. Als besonders wasserintensive Importwaren werden Rind- und Schweinefleisch, Baumwolle, Oliven, Palm-Öl, Kaffee und Kakao genannt.

Auf der anderen Seite wird in Deutschland als führender Exportnation Wasser bei der Produktion von Export-Produkten - vornehmlich Kraftfahrzeugen und Maschinen - eingesetzt. Unter dem Strich führt Deutschland jedoch mehr virtuelles Wasser ein als aus.

Denn weltweit wird über 70 % des Wassers in der Landwirtschaft eingesetzt, nur 22 % bei der Herstellung von Industriegütern.

Wasser ist von Natur aus ein Kreislaufgut und immer in Bewegung. Daher ist seine Nutzung per se für die Umwelt unproblematisch. Entscheidend ist vielmehr, in welchem Zustand - vor allem also wie sauber - es in die natürlichen Wasserkreisläufe zurückgegeben wird.

Beispiele für den Wasserverbrauch bei der Herstellung von Gebrauchsgütern

(ermittelt von der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.)

  • Bis ein Rind nach drei Jahren schlachtreif ist, hat es etwa 1.300 kg Getreide- und Sojafutter und mehr als die 5-fache Menge Gras, Heu und Silage gefressen. Dazu hat es 24.000 Liter Wasser getrunken. So werden für 1 kg Rindfleisch (ohne Knochen) 15.500 Liter Wasser benötigt. Die schneller schlachtreifen Schweine kommen auf 4.800 Liter Wasser pro kg Fleisch.
  • Für 1 kg Käse braucht man rund 10 Liter Milch - und dafür rund 10.000 Liter Wasser - für Tränke, Futtermittelerzeugung, Hofunterhalt und Verarbeitung.
  • 21.000 Liter Wasser werden bei der Erzeugung von 1 kg Röstkaffe eingesetzt, das macht etwa 140 Liter pro Tasse. Für 1 Tasse Tee verbraucht man nur 30 Liter.
  • 1 kg Bananen schlagen mit 850 Litern Wasser zu Buche.
  • 11.000 Liter Wasser werden für die Erzeugung einer Jeans benötigt. 85 % davon entfallen auf den Baumwolle-Anbau.
  • Schon bevor ein Auto das erste Mal in die Waschstraße fährt, wurden bei seiner Herstellung für Stahl, Aluminium, Kunststoffe und elektronische Bauteile durchschnittlich 40.000 Liter Wasser eingesetzt.
  • Ein kompletter PC kommt auf 20.000 Liter Wasserverbrauch. Denn die Gewinnung und Weiterverarbeitung der Rohstoffe von Computerchips ist wasser-intensiv.
  • 10 Liter Wasser werden bei der Herstellung eines fabrikneuen weißen DIN-A-4-Blatt Druckerpapier aus Holz verbraucht. Für die Herstellung von Recyclingpapier aus alten Zeitungen wird 100-mal weniger Wasser benötigt.

 

Quellen: WWF, Vereinigung Deutscher Gewässerschutz, Financial Times Deutschland

 

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Wasser / 13.8.2009 / #

11 Kommentare

Wasser, dass in Deutschland verbraucht wird, ist aber doch eh nicht verloren? Das hört sich immer so an, als wäre benutztes Wasser weg, aber es wird doch in einem fast vollständigen Kreislauf wieder aufbereitet. In so fern verstehe ich diese ganze Diskussion um den Wasserverbrauch nicht. Wir können hier doch so viel Wasser verbrauchen, wie wir wollen!?!? Wenn wir sparen, hat das doch nur eine auswirkung auf unseren Geldbeutel. nicht aber auf die natur, oder? das wasser kann von hier doch eh nicht in wasserarme regionen transportiert werden...

/ 9.8.2009 – 2:44

Der Wasser-Verbrauch ist nicht das Problem (Wasser wird ja nie "verbraucht", sondern nur gebraucht) sondern die Verunreinigungen, die ins Wasser gelangen. Wenn z.B. eine Waschstraße einen komplett dichten Wasserkreislauf hat, wo das Waschwasser immer wieder gefiltert und weiterverwendet wird, dann schadet das ja niemandem. Wenn eine Waschstraße sauberes Wasser aber aus dem Hahn nimmt und das Abwasser in die Kanalisation gießt, macht das spätestens dem Wasserwerk (wenn es überhaupt eins gibt) Probleme. Das zweite Problem ist in vielen Ländern die Verteilung des knappen Süßwassers: So kann die Wasserversorgung armer Bevölkerungsteile darunter leiden, wenn zu viel Trinkwasser beispielsweise für die Landwirtschaft drauf geht. Insofern finde ich es nicht so verkehrt, darauf zu schauen, wer wo wieviel Süßwasser benutzt. Dann kommt man hier und da sicherlich darauf, dass die Verteilung des Wassers "nicht ganz optimal" abläuft.

Sir Oliver / 9.8.2009 – 17:41

Das mit der Verunreinigung sehe ich ein. Aber hier in Deutschland nutzt es doch keinem armen Land mit einer Süßwasserproblematik, wenn wir weniger verbrauchen? Das Wasser wird doch sicher nicht so weit transportiert?!? In so fern ist es doch eigentlich unproblematisch, wenn man als Privat-Verbraucher so viel Wasser verbraucht, wie man eben möchte (so lange man es nicht stark verschmutzt, was ja nicht die Regel sein wird). Allerdings bin ich sehr dafür, dass man beim Strom darauf achtet, von wo man ihn bezieht. Aber auch hier gilt: solange klar ist, dass er auch eE stammt, kann man fleißig Strom verbrauchen (wenn man das Geld hat). Das schadet nicht, sondern hilft der Wirtschaft der erneuerbaren Energien doch sogar.

/ 9.8.2009 – 23:48

Schätze, der WWF meint das eher umgekehrt: Es würde wasserärmeren Regionen eher helfen, wenn das Wasser, was für die Dinge gebraucht wird, die man im wasserreichen Deutschland konsumiert, auch in Deutschland verbraucht würde, wenn also Wasser nicht virtuell nach Deutschland eingeführt, sondern in wasserärmere Regionen ausgeführt würde. Im Moment wird eben anscheinend in irgendwelchen afrikanischen Staaten knappes Süßwasser verbraucht, um Kaffee anzubauen, den man hier in Deutschland trinkt - während es draußen den ganzen Tag nieselt (ärger!)

Yasmin / 10.8.2009 – 8:14

Wird denn Wasser virtuell (was heißt das in diesem Fall?) nach Deutschland eingeführt? Bzw. wäre es überhaupt möglich, Wasser auszuführen? Viel besser wäre es doch, die dortige Infrasturktur so weit aufzubauen oder zu unterstützen, dass Wasseraufbereitungsanlagen gebaut werden können. Wasserumverteilung klappt m.E. eher nicht. Daher habe ich auch kein schelchtes gewissen, wenn ich hier viel Wasser verbrauche.

Martin / 10.8.2009 – 11:42

Wenn Du hier viel Wasser verbrauchst, musst Du auch kein schlechtes Gewissen haben, Wasser gibts hier ja nun wirklich genug :-), schon eher, wenn Du eine Jeans kaufst, für die in Indien bei der Baumwollzucht so viel Wasser verbraucht wird, dass nicht mehr genug für die Menschen übrig bleibt (nur als Beispiel).

/ 10.8.2009 – 12:50

Aber viel von dem angesprochenen Wasser ist doch einfach Regenwasser?! Und ob es auf einen natürlichen Wald regnet oder auf ein Baumwollfeld - hat das nicht dieselbe Umwelt-Wirkung? Ich meine, man muss da trennen zwischen Wasser, das "sowieso da verbraucht wird, wo es nun mal ist" und Wasser, das "extra umgeleitet" wird, sodass an anderer Stelle ein unnatürlicher Mangel entsteht.

/ 19.8.2009 – 11:03

Übrigens ist diese Woche auch "Woche des Wassers". Ziel ist es, den Verbrauchern den Umgang mit Wasser bewusst zu machen.

/ 19.8.2009 – 13:43

Das Wasser ist zwar nicht weg, allerdings ist es unglaublich aufwendig es wieder aufzubereiten und deshalb soll man auf den Wasserverbrauch achten.

/ 22.4.2010 – 22:13

Ich schreibe selber grade an einerArbeit über Wasser als Ressource und habe die Quelle der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. über die unterschiedlichen Verbrauchszahlen bei der Produktion vor mir und hier steht, dass die Produktion eines Autos 400.000 Liter Wasser und nicht 40.000 Liter beträgt.

K.V. / 16.3.2011 – 16:23

Es ist mit Sicherheit besorgnisserregend, was mit unserem Wasser passiert. Aber ich finde nirgendwo den Verbrauch der Wasserwerfer bei absolut unnötigen Demonstrationen. Man sollte lieber Erhebungen darüber machen, wie die Preistreibereien, zu denen auch solche Veröffentlichungen beitragen, die Preise für alles ins Bodenlose treiben. Das würde ich als viel wichtiger empfinden!

Gunther / 11.5.2011 – 11:17

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