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Öko-Mode ist nicht gleich Öko-ModeAls Kunde reibt man sich erstaunt die Augen: Fast alle Modefirmen versprechen inzwischen Öko-Mode und Nachhaltigkeit, aber weltweit erfüllt nur etwa 1% der Baumwollproduktion die Kriterien für Bio-Baumwolle. Wie passt das zusammen? Dieser Test gibt einige Antworten.
Stiftung Warentest hat 20 schwarze T-Shirts ohne Aufdruck auf Haltbarkeit, Passform und Schadstoffe geprüft – unter ihnen 5 angeblich aus Bio-Baumwolle.
Dabei nahmen die Tester auch das sozial-ethische Engagement der Hersteller unter die Lupe: Werden alle Beteiligten fair bezahlt - beim Baumwollanbau, in den Färbereien und Nähereien? Ist transparent, ob die Baumwolle umweltschonend angebaut wird? Werden schädliche Chemikalien vermieden? Werden Kundenanfragen sinnvoll beantwortet?
14 Nähereien und 9 Färbereien wurden besucht - in Bangladesch, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Estland, Indien, Litauen, Mauritius, Portugal und der Türkei.
Nur ein einziges Unternehmen zeigt ein wirklich seriöses Engagement für Umwelt und Mitarbeiter: Der Naturmodehersteller hessnatur aus Butzbach, im Test vertreten mit einem GOTS-zertifizierten Basic-T-Shirt aus Bio-Baumwolle. hessnatur arbeitet in allen Produktionsschritten auf einem hohen öko-sozialen Niveau und kann die Produktion des T-Shirts problemlos bis zum Baumwollanbau zurückverfolgen.
Bei C&A, Esprit, panda, armedangels, Peek&Cloppenburg, und trigema stellten die Tester immerhin mehr oder minder weit entwickelte Sozial- und Umweltstandards in den Färbereien und Nähereien fest.
Bei den „Bio“-T-Shirts von trigema, Otto, armedangels und panda blieben Zweifel an der Bio-Qualität der Baumwolle. Über die Herkunft der Baumwolle und damit auch die Anbaubedingungen konnte kein lückenloser Nachweis geführt werden. Will heißen: Es kann sich um echte Bio-Baumwolle handeln, muss aber nicht.
Das armedangels-T-Shirt ist zusätzlich FairTrade-zertifiziert; trotzdem hat die Firma keinen engen Kontakt zu ihren Baumwollproduzenten und Färbereien.
4 Hersteller verweigerten gleich kategorisch die Teilnahme an der Warentest-Untersuchung. Transparenz, Verantwortung, offene Kommunikation: Fehlanzeige.
Und auch bei den übrigen Textilherstellern im Test ist es mit der Nachhaltigkeit laut Stiftung Warentest nicht weit her.
Beispiel: Die Bezahlung in Nähereien und Färbereien. Schlusslicht ist derzeit Bangladesch. Hier liegt der Mindestlohn einer Näherin bei ca. 20 Euro - nein, nicht pro Stunde, sondern im Monat. Und die meisten Modefirmen zahlen auch nicht mehr.
Das T-Shirt des Textildiscouters kik wurde beispielsweise in Bangladesch hergestellt, die Tengelmann-Tochter räumte gegenüber Stiftung Warentest sogar selbst sehr schlechte soziale und ökologische Produktionsbedingungen ein. Ernsting’s Family und Peek&Cloppenburg lassen ebenfalls in Bangladesch produzieren, zahlen neben den kargen Mindestlöhnen jedoch zumindest extra Boni.
Anders hessnatur, panda und trigema: Hier wird über Tarif bezahlt und teilweise in Deutschland produziert.
Die Stiftung Warentest empfiehlt beim Kauf auf seriöse Öko-Label zu achten. Sie geben derzeit ein Höchstmaß an Sicherheit, dass die Hersteller die versprochene Nachhaltigkeit auch wirklich leben.
Quelle: Stiftung Warentest August 2010
Der Begriff „Bio-Baumwolle“ ist hingegen - im Gegensatz zu Bio-Lebensmitteln nicht geschützt. Jeder kann ihn auf seine Kleidung drucken, egal wie viel Pestizide beim Baumwollanbau, wieviel giftige Chemikalien beim Fäben verwendet werden. Ähnlich verhält es sich mit selbst kreierten Öko-Labels der Hersteller und Handelsketten. Sie haben keine nachvollziehbare Aussagekraft und dienen meist eher dem Marketing als der Nachhaltigkeit.
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Ethik, Dessous, Mode, Stoffe / 9.8.2010 / #
5 Kommentare
Ein 3 Euro-T-Shirt von Kik nachhaltig / öko / fair? *kicher, lach, gröhl* - Mal ehrlich: Ist das Testergebnis für irgendwen wirklich eine Überraschung? Kauft wirklich jemand bei Kik ein, weil er denkt, damit tut er der Umwelt etwas gutes? Wohl kaum.
/ 14.8.2010 – 10:59Es ist trotzdem gut, dass die Stiftung Warentest bewusst macht, auf was man alles achten muss, um nachhaltige Mode herzustellen ... und zu kaufen. Und das Ergebnis zeigt auch dem Nicht-Experten, wie groß der Abstand zwischen einem hessnatur und einem H&M oder eben einem kik ist. Insofern ein sehr interessanter Test, bitte mehr davon! Nur schade, dass bis auf hessnatur die wiklich nachhaltigen Modelabels wie Lana, Living Crafts, HempAge, Uwe Harter, Bioneuma und wie sie alle heißen, fehlen. Sie sind vielleicht noch klein, stecken in Sachen öko-soziales Engagement die Großen aber locker in die Tasche.
TBo / 15.8.2010 – 10:26That's the best awsner of all time! JMHO
Jonnie / 19.1.2012 – 17:27also ich finde es auch komisch das kik nachhaltig produzieren soll. ich kaufe seit jahren bei gudrun sjöden (www.gudrunsjoeden.de) weil ich weiß das bei denen wirklich alle öko ist, sogar der katalog wir aus recyceltem papier her gestellt. viel spaß beim austesten :-)
Leni / 23.2.2012 – 12:25Ich frage mich immer wieder, ob die Verbraucher sich wirklich bewusst sind, dass sie genmanipulierte Baumwolle auf ihrem Körper tragen. Zwei Drittel der weltweiten Produktion sind transgene Pflanzen, mit unabsehbaren ökologischen und sozialen Folgen. Danke an hessnatur, die ein Zeichen setzen!
Greensurance / 9.4.2012 – 10:59