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Nach "Gammelfleisch", "Analogkäse" und "Formschinken" machen Lebensmittel zum Jahresbeginn wieder Negativschlagzeilen: Seit Tagen berichten die Medien über Dioxin-verunreinigte Hühner, Eier und Schweinefleisch.
Wir geben Antworten auf häufig gestellte Fragen, vor allem: Wie erkennt man "saubere" Lebensmittel?
Ein norddeutscher Tierfutterhersteller hat Monate lang Industriefettsäure in Futtermittel gemischt und verkauft. Denn für Futtermittel werden etwa doppelt so hohe Preise gezahlt wie für Schmiermittel, zu denen das Fett eventuell noch hätte verarbeitet werden dürfen.
Das Industriefett war mit Dioxin verunreinigt und so wurden mehrere Tausend Tonnen Dioxin-haltiges Tierfutter über Zwischenhändler an landwirtschaftliche Betriebe in mehreren Bundesländern verkauft.
Inzwischen haben unzählige Hühner, Puten und Schweine das vergiftete Futter gefressen, Dioxine finden sich nun in Fleisch und Eiern. Analysen des Futters selbst ergaben eine bis zu 78-fache Überschreitung aktueller EU-Grenzwerte.
Einige Länder – darunter China und Großbritannien – haben bereits die Einfuhr von deutschen Lebensmitteln eingeschränkt, um die Bevölkerung zu schützen. Hierzulande stehen die ersten Notschlachtungen bevor.
Dioxine haben keine positive Funktion im Körper, sind also reine Schadstoffe. Dioxine sind krebserregend und können Immunsystem, Atemwege, Schilddrüse und Verdauungstrakt schädigen. Einige der über 70 bekannten Dioxine sind bereits in Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich. Zu trauriger Berühmtheit kam das Dioxin TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin) als das „Seveso-Gift“.
Dioxine reichern sich im Körper an und werden nur sehr langsam abgebaut. Dank unserer industriellen Vergangenheit finden sich heutzutage überall in unserer Umwelt Dioxine - auch in unserem Körper. Daher sollte man versuchen, im Laufe seines Lebens grundsätzlich so wenig wie möglich zusätzliche Dioxine zu sich nehmen.
Dioxine sind langlebige chlorierte Kohlenwasserstoffverbindungen, die nie absichtlich hergestellt werden, da sie keinen Nutzen haben. Vielmehr handelt es sich um unerwünschte Nebenprodukte bestimmter industrieller Prozesse – zum Beispiel der Müllverbrennung.
Woher die Dioxine in besagter Industriefettsäure stammen, ist bislang noch unklar.
Die Behörden versuchen nun, alle landwirtschaftlichen Betriebe zu untersuchen, welche Dioxin-belastetes Futter eingesetzt haben. Vereinzelt wurden bereits Eier-Codes von Betrieben veröffentlicht, in denen Dioxin-belastete Eier gefunden wurden. Ob diese Liste jemals vollständig sein wird, ist allerdings unsicher. Und die Erkennung von verunreinigtem Fleisch ist ebenfalls noch nicht geklärt.
Für die Verbraucher/-innen ist es daher schwer, auf Basis der behördlichen Veröffentlichungen verseuchte Produkte zu erkennen und zu vermeiden.
Bio-Lebensmittel sind von diesem "Unfall" nicht betroffen. Der Grund: Im Öko-Landbau sind isolierte Fettsäuren, die das Dioxin ins Futter brachten, nicht erlaubt. Unter den gesperrten Betrieben befindet sich folglich auch kein Bio-Betrieb. Daher ist eine einfache Methode, dem Dioxin aus dem
Weg zu gehen, Bio-Produkte zu kaufen.
Das gilt auch für weiterverarbeitete Lebensmittel wie zum Beispiel Gebäck oder Nudeln. Denn in Bio-Keksen, Bio-Nudeln, etc. dürfen auch nur Bio-Eier verarbeitet sein.
Grundsätzlich enthalten Bio-Lebensmittel übrigens nicht immer weniger Dioxin als konventionelle. Der Dioxingehalt hängt von den Umwelt-Gegebenheiten während der gesamten Herstellungskette ab.
Bio-Produkte erkennt man an dem bekannten sechseckigen Bio-Siegel bzw. seinem Nachfolger, dem „EU-Bio-Blatt“ (Bilder links).
Ebenfalls unbedenklich sind die Produkte der noch strenger reglementierten Bio-Anbauverbände, beispielsweise Bioland, Demeter und Naturland.
Der Bioland-Verband erlaubt zur Tierfütterung nur Bio-Pflanzenöle, konventionell oder gar industriell erzeugte Futterfette sind grundsätzlich untersagt. Der Großteil aller Futtermittel erzeugen die Bioland-Höfe selbst.
Jeder Bioland-Betrieb sowie alle Futterzulieferer müssen außerdem vollständig auf Öko-Landbau umgestellt sein, um Verunreinigungen oder Verwechselungen mit konventionellen Erzeugnissen oder Futtermittelzutaten zu verhindern. Saatgut und Tierfutter werden nach Möglichkeit auf dem eigenen Hof erzeugt.
Auch Demeter-Höfe erzeugen ihr Futter und ihr Saatgut größtenteils selbst und auch in den Demeter-Verband werden nur Betriebe aufgenommen, die komplett auf Öko-Landbau umgestellt sind. Der Verband schreibt sogar vor, dass über die Hälfte des eingesetzten Tierfutters vom eigenen Hof stammen muss – und damit auch Demeter-Qualität aufweist. Das dient übrigens nicht nur der Tiergesundheit, sondern vermeidet auch unnötige Futtermittel-Transporte durch ganz Europa.
Ähnliches gilt für Naturland-Höfe: Auch sie erzeugen ihr Futter und ihr Saatgut größtenteils selbst und auch Naturland-Betriebe müssen vollständig auf Öko-Landbau umgestellt sein.
Naturland-Futtermittel werden getrennt von konventionellen Futtermitteln hergestellt. Die Fette von Naturland-zertifizierten Futtermühlen stammen aus Ölsaaten wie Sonnenblumen oder Raps, die ökologisch angebaut werden Naturland Schweinemäster mischen ihr Futter aus Getreide und Leguminosen zum großen Teil selbst.
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Lebensmittel / 12.1.2011 / #
4 Kommentare
Und was heißt das jetzt, dass irgendwelche EU-Grenzwerte überschritten sind? Der eine "Experte" sagt, bloß keine Eier meher essen, der nächste sagt, alles halb so schlimm?!
Kaffeesatz / 14.1.2011 – 9:48Die widersprüchlichen Aussagen zu Dioxin-Grenzwerten haben einen einfachen Grund: Für erbgutverändernde / krebserregende Stoffe gibt es keine "sicheren" Grenzwerte, denn eine einzige mutierte Zelle kann in letzter Konsequenz tödlich sein. (Wenn man Pech hat, bekommt man eben schon von einer einzigen Zigarette Lungenkrebs). Diese ganze Grenzwert-Diskussion hat nur einen Sinn: Von den tatsächlichen Problemen bei Lebensmittelherstellung und -kontrolle abzulenken. Und das ist das falscheste, was man in dieser Situation tun kann.
/ 14.1.2011 – 20:42Bei reinen Giften, die sich im Körper anreichern, ist der einzig sinnvolle Richtwert 0,0. Im Fall von Dioxin umsomehr, da wir sowieso alle schon durch vergangene Umweltsünden Dioxin im Blut haben.
Michi / 15.1.2011 – 10:41Super infrotamive writing; keep it up.
Issy / 16.12.2011 – 10:01