Tipp Weniger Plastik im Alltag

Ein Leben ohne Plastik ist nicht mehr denkbar. Aber Kunststoffe schaden Umwelt und Gesundheit. Ein bewussterer Umgang mit ihnen wird immer notwendiger.

PlastikflaschenDie Weltreise der Plastikenten

Im Januar 1992 fiel vor Hongkong eine Ladung Plastikenten bei schwerer See von einem chinesischen Frachter. 

17 Jahre lang trieb der Müll durch Pazifik, Arktis und Atlantik. Mittlerweile haben einige der Enten die Küste von England und die Ostküste Amerikas erreicht, einige wurden vor Hawaii gesichtet und einige haben es bis nach Japan geschafft.

Der Plastikmüll hatte - treibend in den Meeresströmungen - bis zu 35.000 Kilometer zurück gelegt, ohne zu verrotten ...

Wir essen, trinken und atmen Plastik

Plastik findet sich in Joghurtbechern, Elektrogeräten, Spielzeug, Autos, Teppichen, Zahnbürsten - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wir sind permanent von Kunststoffen umgeben, ein Leben ohne sie ist nicht mehr vorstellbar.

Auf der anderen Seite bringt der nachlässige Umgang mit Plastik und Plastikmüll große Belastungen für Umwelt und Gesundheit mit sich. Denn Kunststoffe geben mit der Zeit flüchtige Inhaltsstoffe an die Umgebung ab, darunter Weichmacher, Bisphenol-A, Flammschutzmittel, Konservierungsstoffe und giftige Schwermetalle wie Quecksilber.

Plastikmüll überzieht die Erde

Diese Woche kommt die Dokumentation Plastic Planet des Österreichers Werner Boote in die Kinos. Einige Ergebnisse seiner Recherchen: 

  • Die Menge des Kunststoffs, die in den vergangenen 100 Jahren entstand, würde reichen, um den gesamten Erdball mit 6 Schichten Plastikfolie zu überziehen. Jährlich werden schätzungsweise 240 Millionen Tonnen Plastik produziert, ein Viertel davon in Europa.
  • Da Plastik nur sehr langsam verrottet, sammeln sich weltweit riesige Mengen Plastikmüll in der Umwelt an. Grundwasser und Böden werden zunehmend von Plastikteilchen durchsetzt.
  • In den Weltmeeren findet man inzwischen 6- bis 10-mal mehr Plastik als Plankton. Es verteilt sich in allen Weltmeeren und erreicht dort jeden Winkel der Erde. An jedem Strand weltweit wird regelmäßig Plastikmüll angeschwemmt und jeder Strand besteht inzwischen zum Teil aus Plastikgranulat.
  • Der so genannte subarktische Meereswirbel südöstlich von Hawaii ist inzwischen die größte Müllhalde der Welt. Auf einer Fläche 4-mal so groß wie Deutschland treiben 3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Kreis und werden durch Sonne, Wind und Wellen in winzige Partikel zerrieben. Auch im Atlantik gibt es ähnliche Müllstrudel.
  • Etwa 1 Million Seevögel und 100.000 Meeressäuger verenden jedes Jahr, weil ihr Magen voll mit Plastikteilen ist - darunter Albatrosse, Schildkröten, Robben, Fische und Krebse.
  • Kunststoffe reichern sich in den Nahrungsketten an und landen letztendlich wieder auf unseren Tellern. Aus ihnen werden gesundheitsgefährdende Chemikalien und Schwermetalle freigesetzt, die bereits im Blut praktisch aller Menschen nachweisbar sind.

Grund genug, sich hin und wieder zu fragen: Brauche ich wirklich jede Plastikverpackung, jede Plastiktüte, jedes Plastikspielzeug?

So lässt sich Plastik im Alltag vermeiden:

  • Beim Einkaufen wiederverwendbare Stofftaschen oder Einkaufskörbe statt Plastiktüten verwenden. Auf dem Wochenmarkt kommt man so gänzlich ohne Plastikverpackungen aus. Jährlich werden 600 Milliarden Plastikbeutel hergestellt - und weggeworfen.
  • Lebensmittel, z. B. Getränke oder Joghurt in Mehrweg-Glasflaschen oder -behältern kaufen statt in Plastikflaschen oder -bechern. Mehrwegbehälter haben die beste Umweltbilanz und Glas ist chemisch sehr stabil, gibt also keine Schadstoffe an die enthaltenen Lebensmittel ab.
  • Möglichst (unbehandeltes) Holz- statt Plastikspielzeug verschenken.
  • Auch bei Möbeln - insbesondere Lampen - sind Holz, Glas oder Metall meist die bessere Alternative zu Kunststoff.
  • Bei Elektrogeräten mit Kunststoffgehäusen - z.B. Fernsehern - auf das Gütezeichen Blauer-Engel achten. Porzellan oder Steingut statt Kunststoffgeschirr verwenden. Insbesondere keine heißen oder sauren Lebensmittel aus Plastikgeschirr essen bzw. trinken.
  • Bei in Plastik eingeschweißten Lebensmitteln (Schokoriegel, Nudeln, ...) möglichst große Stückgrößen mit verhältnismäßig wenig Plastik wählen.
  • Beim Kauf von Fußbodenbelägen (Teppich, Laminat, ...) auf die Inhaltsstoffe achten.
  • Kinder nicht an Plastik-Gegenständen kauen oder lutschen lassen.
  • Keine Plastik-Gegenstände kaufen, die unangenehm oder beißend riechen - ein zuverlässiges Indiz für das Ausgasen ungesunder Chemikalien.
  • Kosmetikprodukte können in manchen Drogerien und Ökomärkten nachgefüllt werden.

 

Dass es helfen kann, hat Regisseur Boote an sich selbst ausprobiert: Er ließ sein Blut untersuchen und stellte sein Leben danach auf weniger Plastik um. Und siehe da: Schon 1½ Jahre später waren seine Bisphenol-A-Blutwerte messbar gesunken.

In einigen Ländern gibt es bereits erste gesetzliche Vorschriften gegen den übertriebenen Plastikkonsum. So sind in Bangladesch Plastiktüten schon seit 2002 verboten, in Irland wurde ihr Verbrauch durch eine Steuer um 95 % gesenkt.  

Hintergrund

Plastik: Billig und vielseitig, aber mit ungesunden Chemikalien versetzt

Plastik ist billig, leicht zu färben und zu formen und verrottet nur sehr langsam. Durch verschiedenste Zusätze lassen sich seine Eigenschaften wie Härte und Elastizität fast beliebig einstellen.

Bisphenol-A (BPA), der Grundstoff von Polykarbonat-Kunststoffen und Kunstharzen, ist mit einer Jahresproduktion von ca. 3 Millionen Tonnen eine der wichtigsten und meistproduzierten Chemikalien der Welt. Bisphenol-A steht - ebenso wie die als Weichmacher verwendeten Phtalate - im Verdacht, schon in kleinen Mengen erbgutschädigend und hormonähnlich zu wirken und Entwicklungsstörungen, Krebs, Unfruchtbarkeit und Allergien zu verursachen.

 

Quellen: Plastic Planet, BUND, Der Spiegel, Connection, Bayerischer Rundfunk, Süddeutsche Zeitung  

 

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Tierschutz, Umweltschutz, Gesundheit / 27.2.2010 / #

17 Kommentare

Nach diesem Artikel habe ich erstmals bewusst darüber nachgedacht, was wir alles für Plastikprodukte daheim haben und habe mich ziemlich erschrocken. Es ist ja praktisch unmöglich, Plastik aus seinem Leben zu verbannen. Selbst die Bio-Produkte sind ja häufig auch in Plastik eingepackt - zumindest im Supermarkt. Auch ein eindeutiger Pluspunkt für den Bio-Markt, wo es ja doch viele lose Produkte und Mehrwegverpackungen gibt.

/ 28.2.2010 – 10:13

Nicht nur für den Bio-Markt, sondern auch für den Wochenmarkt und den Hofladen, wenn man sich erfolgreich gegen die dort angebotenen Plastiktüten wehrt.

/ 28.2.2010 – 12:22

In dem Film plastic planet wird auch gezeigt, wieviel Kunststoff in einem durchschnittlichen Haushalt vorhanden ist: Unfassbar, welche Berge da zusammenkommen.

Timo / 1.3.2010 – 9:12

Erschreckend. Aber so geht es mir leider bei vielen Dingen: man nimmt sie einfach so hin und macht sich keine GEdanken. Wenn man dann mal beginnt, darüber nachzudenken, kann einem echt schlecht werden... Z.B. geht es mir beim Fleisch-Konsum so. Ich gesse gerne und recht häufig Fleisch, weil es mir schmeckt. Wenn ich mir dann aber Gedanken darüber mache, wie dieses Fleisch "produziert" wird, wie schlecht es den Tieren häufig geht und welche Umweltbelastung ich damit auslöse, will ich sofort Vegetarier werden. Wir denken alle einfach zu wenig konsequent über unser Handeln nach... naja, so wird wahrscheinlich jeder seine "Achillesverse" habe. Aber es ist ja schon mal ein Anfang, wenn einem das auffällt und man bei sich beginnt, einzelne Dinge zu ändern.

Luxi / 1.3.2010 – 11:33

Und warum isst Du dann Fleisch? Lass es doch einfach sein.

/ 1.3.2010 – 12:29

Wenn das so einfach wäre :-) Dann hätte ich das schon längst gemacht.

Luxi / 1.3.2010 – 13:03

Ich finde es faktisch sehr schwer, auf Plastik zu verzichten, bzw dies zu reduzieren. Auch im Bioladen ist an den meisten Produkten Plastik dran. Eigentlicbleibt da nur, direkt beim Bauern zu konsumieren, wo die Produkte noch nicht verpackt wurden. Nur leider bekommt man da einfach nicht alles, was man kaufen möchte. Toll wäre, wenn man nicht per se auf Verpackungen verzichten müsste, sondern diese mehr und mehr umweltfreundlicher und als gut abbaubaren Materialen hergestellt werden würden. Es gibt ja euch zum Glück deutliche Trends in diese Richtung.

/ 1.3.2010 – 15:12

Klimawandel, Plastikmüll, Artensterben, Atommüll - warum denkt der homo sapiens immer nur von heute bis morgen?! Warum ist er nicht in der Lage, langfristig, also strategisch zu denken (was er doch immer so gerne von sich behauptet)? Für diejenigen Ausnahmen, die das können, wird immer klarer, dass ein grundlegendes Umdenken einsetzen muss: Weg vom gedankenlosen „Einfach alles munter drauf los produzieren, bis das Ökosystem Erde kippt.“ hin zu einer weitsichtigeren Strategie, die heißen könnte: „Bevor etwas produziert wird, werden alle Auswirkungen untersucht und Lösungen zur Abfallbeseitigung entwickelt.“ Dann müssten wir Menschen nicht immer in hektischen Aktionismus verfallen, wenn es längst zu spät ist - a la Kopenhagen oder Atommülllager Asse. Wir laufen der Umweltzerstörung seit 100 Jahren nur noch wie die Lemminge hinterher.

/ 2.3.2010 – 12:53

Ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber als ich grad vor dem Einkaufsregal stand, habe ich statt der Plastikfalsche die Glasflasche Ketchup gekauft:)

/ 3.3.2010 – 14:06

So ging es mir gestern bei der Milch. Nachdem ich euren Artikel gelesen habe, hab ich seit Jahren zum ersten Mal wieder Milch in Glasflaschen gekauft und bin dafür extra zum Bioladen gefahren. Bin schon ein bißchen stolz auf mich...

/ 3.3.2010 – 14:56

Ja, man könnte auf viel Plastik im Haushalt verzichten, aber das will ja überhaupt keiner... Eine Kosumgeile Schicht wie die Neoökos ( Lohas)haben wahrscheinlich mit all ihren Bedürfnissen eine Menge Plastik im Haushalt!

Volker Z. / 27.3.2010 – 3:12

?? Auch ein Neoöko kann doch Glasflaschen, Einkaufstaschen und Holzspielzeug verwenden?

/ 27.3.2010 – 18:11

Falls wer PLASTIKFREIE Produtke sucht: www.plastikfrei.at Liebe Grüße Thomas

Thomas Eitzenberger / 17.1.2011 – 15:26

Thanks for spending time on the computer (writing) so othres don't have to.

Takeo / 19.1.2012 – 23:30

Ich verwende zb schon sein jahren bioabfallsäcke aus maisstärke von www.biomat.info, funktioniert tadelos!

mario / 27.4.2012 – 11:22

Rolf sagt:Hi Sabine, sehr spannend ist Dein Reiseblog. Ich tippe mal, dass Du viele rfcstige deuscthe Rentner in der Reisegruppe hast aber die sind eben gerne auf Achse. Indien ohne Reisegruppe we4re vielleicht doch zu abenteuerlich aber bin kein Indienexperte Viele Gruesse und viel Spass und schf6ne Erlebnisse wfcnsche ich Dir nochRolf

Vero / 25.7.2012 – 14:27

Der vollste4ndige Name fdenit sich drfcber hinaus sowohl im Seitentitel bbTankstellen-Chefs Peter M[..]s Mutter: „Wir sind tief entte4uscht“ab wie auch der Linkadresse www.bild.de/BILD/ /m[..]s-mutter/wir-sind-tief-enttaeuscht.html der betreffenden Seite.

Noura / 6.12.2012 – 11:38

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